Konzentration auf die Ressourcen (der Jugendlichen und des Sozialraumes)

Integrierte sozialraumorientierte aufsuchende Jugendarbeit des Vereins „Philipp Neri“ – Jugendförderung in Kirchhellen

Konzeptlinien

Im Rahmen seines in der Satzung festgehaltenen Vereinszweck „verlässlicher Partner für Jugendliche zu sein“, ist der Verein seit Jahren mit dem Projekt Aufsuchende Jugendarbeit in Kirchhellen engagiert.
Maßgebliche Unterstützung erfährt der Verein bei diesem Projekt durch die Stadt Bottrop. Als Projektpartner ist die Stadt maßgeblich an der Finanzierung von Fachleistungsstunden, die von sozialpädagogisch qualifizierten Fachkräften (Michaela Huwe und Philipp Hoischen) geleistet werden, beteiligt.

Ein wichtiger Ort für die aufsuchende Jugendarbeit war bislang die sogenannte Hütte. Diese Hütte hat den formulierten Status einer überdachten Parkbank im öffentlichen Raum, angesiedelt neben der Bezirksverwaltungsstelle Kirchhellen.
Die Hütte war als Treffpunkt für Jugendliche etabliert und wird zur Zeit von vielen Jugendlichen, die in wiederum verschiedenen Gruppen/Cliquen zusammenkommen, frequentiert. Dabei hatten sich auch erhebliche Probleme gezeigt, die der Verein sehr ernst genommen hat und die in verschiedenen Gesprächen mit Bezirksvertretung, Bezirksverwaltungsstelle, Polizei, Jugendamt und anderen Partnern intensiv erörtert wurden. Dies führte zu Schließung der Hütte, nicht aber zum Ende der aufsuchenden Jugendarbeit.

Die Stärke des Projektes ist das personale Angebot.
Michaela Huwe und Philipp Hoischen vermögen es, Beziehungen mit den in Kirchhellen an verschiedenen Orten anzutreffenden Jugendlichen herzustellen, aufzubauen und zu pflegen.

Im Rahmen des sozialpädagogischen Anteils der Arbeit werden auch Impulse in der Suchtprävention, der ordnungspolitischen Arbeit und bei ökologischen Akzenten gesetzt. Dabei wird die Vernetzung mit anderen Projekten des Vereines aber auch mit anderen örtlichen Institutionen, z.B. insbesondere der Schulen gesucht.

Weiterentwicklung und Neuorientierung

Auf der Grundlage der langjährigen Erfahrungen in der aufsuchenden Jugendarbeit, der von der Stadt Bottrop vorgelegten Sozialraumanalyse der Jugendarbeit, der Gespräche am Runden Tisch zur Jugendarbeit in Kirchhellen und mit anderen Akteuren in der institutionell organisierten Jugendarbeit, intensiven Beratungen im Vorstand und im Kuratorium des Vereins, in dem Vertreter Kirchhellener Schulen, von Vereinen, der Bezirksvertretung und anderer Lebensbereiche vertreten sind, Kontakten zu Trägern aufsuchender und sozialräumlich orientierter Jugendarbeit in anderen Städten sowie intensiven Konzeptgesprächen mit den hauptberuflich tätigen Pädagogen des Vereins werden Linien für eine Neuorientierung im Konzept der aufsuchenden Jugendarbeit vorgelegt.

Dabei lässt sich Philipp Neri e.V. davon leiten, die eingehenden Erfahrungen in der aufsuchenden Jugendarbeit zu verbinden mit den Grundlagen einer stärkeren Sozialraumorientierung .

Diese Arbeit ist grundsätzlich vier Prinzipien verpflichtet

1. Orientierung am Willen der Jugendlichen
Die erste Frage an die Jugendlichen muss lauten: Was wollt ihr hier ändern? Dabei gilt es, nicht auf als Interessen getarnte Wünsche einzugehen; die Verführung ist, dass Verantwortung delegiert wird; es geht auch nicht darum, was die Leute aus Perspektive von Pädagogen, eines Vereins oder anderer Akteure in Kirchhellen „wollen sollten“; durchgängig zeigen muss sich Respekt vor dem Eigensinn junger Menschen.

2. Unterstützung von Eigeninitiative und Selbsthilfe
Auf der Grundlage aufmerksamer Erkundung mit den Jugendlichen entstehen Pläne und Kontrakte, wie sie selbst zum Gelingen beitragen können. Es geht nicht um stellvertretendes Handeln von hauptberuflich Tätigen oder ehrenamtlich Engagierter für die Jugendlichen. Durch ihr eigenes Handeln kann sich bei ihnen das Selbstwertgefühl weiter entwickeln. Dabei können möglicherweise Zugänge für bereits bestehende oder sich entwickelnde Projekte, für Orte und Institutionen geschaffen werden. Es können durchaus „Sichtblockaden“ bei Jugendlichen aufgebrochen werden, jedoch nicht für sie, sondern nur mit ihnen. Dabei denkt der Verein an Philipp Neri Projekte, wie das qualifizierte Beratungsangebot "Philipp Neri hat Zeit", an Anti Aggressions-Trainings, an Suchtprävention, an Sozialkompetenzunterstützung durch Aktionen am Mobilen Klettergerüst des Vereins, an Bewerbungstrainings oder Hilfestellungen bei der Ausbildung aber zugleich auch an Projekte anderer Träger in Bottrop.

3. Ressourcenorientierung
Allzu oft sind vor allem die Defizite junger Menschen im Blick. Oft fallen diese Defizite zunächst auf. Es gilt aber, nicht zuerst Defizite, sondern Ressourcen wahrzunehmen. Es muss auch der Gefahr begegnet werden, durch das Vorhandensein von Hauptamtlichen faktisch Defizite festzuschreiben („Ihr seid die Fachleute und wisst doch, was zu tun ist.“)

4. Zielgruppen und bereichsübergreifende Sichtweise
Bei der Neukonzeption bzw. Erweiterung der sozialraumorientierten aufsuchenden Jugendarbeit werden in Kirchhellen aktive oder aktivierbare Netze in den Blick genommen. Dazu ist es notwendig, sich im Sozialraum auszukennen. Vermieden werden muss eine schablonenhafte Sicht auf zu eng gefasste Zielgruppen. Die sehr gute Vernetzung des Vereins durch die Beteiligung verschiedener Träger in der Struktur, die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt, die Netzwerkstruktur des Kuratoriums, in dem Institutionen und Akteure überkonfessionell verbunden sind, bietet hierfür beste Voraussetzungen. Netzwerkarbeit ist ohnehin nicht mit einer Mitgliedslogik zu denken. Es gilt vielmehr, verschiedenste Personen – möglicherweise auch nur für ein Projekt – hinter der Idee zu versammeln, sich für Jugendliche einzusetzen, die durch die Raster üblicher Jugendarbeit fallen.

Zusammenfassend anders formuliert:

1. Jugendlichen zuhören, was sie wollen, was sie stört und was sie erreichen wollen;
2. Jugendlichen dabei helfen, etwas selbst zu tun;
3. die Fähigkeiten und Stärken anderer erkennen;
4. mit allen vernetzt zusammen arbeiten.

Kirchhellen benötigt die aufsuchende Jugendarbeit. Philipp Neri e.V. will diesem Bedarf weiter durch das Projekt aufsuchende Jugendarbeit nachkommen.

Die maßgebliche Veränderung wurde aus Sicht des Vereines dadurch erreicht, dass der bisherige Ort, die Hütte, entfernt wurde und durch das Konzept der sozialraumorientierten Jugendarbeit, eine stärkere Vernetzung mit bestehenden Projekten des Vereins und weit darüber hinaus erreicht wurde. Das Konzept erfolgt ressourcenorientiert im Blick auf die Jugendlichen und die vorhandenen Orte.

Darum wissend, dass es, wie auch bisher und weiterhin, nach der Hüttenschließung weitere/andere Orte und Treffpunkte für Jugendliche geben wird (Bankenvorplatz, Ehrenmal, Skaterpark,...), wird es den pädagogischen Fachkräften besser ermöglicht, die begrenzt zur Verfügung stehende Zeit, flexibler als bisher an verschiedenen Orten Treffpunkte für die Stärke des Projektes, das personale Angebot, zu nutzen.
Darüber hinaus wird sich der Verein durch verschiedene Spendenaufkommen in die weitere Qualifizierung von Orten für Jugendliche in Kirchhellen einbringen. Diese werden dann noch stärker zum Bestandteil der aufsuchenden Jugendarbeit. Auch hier wird es darauf ankommen, Jugendliche ressourcenorientiert in die Entwicklung einzubinden.
Die Sozialraumanalyse hat nachdrücklich gezeigt, dass nur die Schaffung eines weiteren Ortes von den Jugendlichen (z.B. Hof Beckmann) nicht angenommen werden wird. Wenn ein solcher Ort entsteht, macht dies die aufsuchende Jugendarbeit und andere Initiativen nicht überflüssig. Denkbar ist nach Überzeugung des Vereins Philipp Neri nur ein integriertes sozialraumorientiertes Konzept, in dem der Verein profiliert mitwirken will.

Bottrop-Kirchhellen, den 29. September 2015

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